Erinnert ihr euch an die Aktion „Butjadingen zeigt Flagge“ vom vergangenen Herbst?
Gemeinsam mit Kirchengemeinden und Dorfgemeinschaften hatten SPD, Grüne und Bündnis Nordenham bleibt bunt ein Zeichen für Demokratie und Vielfalt gesetzt. Die Zeitung berichtete darüber mit einem Foto: Einige Frauen aus unserer Mitte lächelten in die Kamera.
Was als solidarisches Miteinander gedacht war, löste online eine Welle von Hass aus. Die Kommentare unter dem Beitrag eskalierten innerhalb kürzester Zeit: Hetze, Beleidigungen bis hin zu Vergewaltigungs- und Mordfantasien.
Erst nach Aufforderung wurde das Bild entfernt – da war der Schaden längst angerichtet.
Für die betroffenen Frauen war das eine zutiefst bedrohliche Erfahrung. Und sie zeigt ein Problem, das über diesen einzelnen Fall hinausgeht:
Wer sich politisch oder gesellschaftlich engagiert, muss zunehmend damit rechnen, persönlich angegriffen zu werden.
Das kann gerade für Frauen zur zusätzlichen Hürde werden, sich überhaupt auf ein politisches Amt einzulassen.
💜 Wenn Frauen fehlen, fehlt ein Teil der Gesellschaft
Quer durch die Parteien hören wir deshalb immer wieder:
Es wird schwieriger, Frauen für eine politische Kandidatur zu gewinnen.
Die Gründe dafür sind vielfältig – von veralteten Parteistrukturen bis hin zu fehlenden Vorbildern. Die zwei größten Hürden erleben wir jedoch jeden Tag ganz konkret:
- Digitale Gewalt und geschlechtsspezifische Anfeindungen treffen Frauen im öffentlichen Raum besonders häufig.
- Die Vereinbarkeit von politischem Ehrenamt, Beruf und Familie bleibt eine Herausforderung. Frauen übernehmen nach wie vor einen größeren Anteil der unbezahlten Sorgearbeit – also etwa Kinderbetreuung, Haushalt und Pflege.
Das Ergebnis ist ein Teufelskreis:
Je unattraktiver und belastender politische Ämter werden, desto weniger Frauen kandidieren.
Sitzen am Ende nur wenige Frauen im Rat, lastet die gesamte Arbeit und politische Verantwortung auf genau diesen wenigen Schultern.
Das Problem beginnt deshalb nicht erst bei der Besetzung eines Ausschusses. Es beginnt schon bei der Frage, wer überhaupt mit realistischen Chancen auf dem Wahlzettel steht.
💜 Warum mehr Frauen am Ratstisch wichtig sind
Dabei geht es nicht darum, Männern die Eignung für bestimmte politische Themen abzusprechen. Und es geht auch nicht darum, Frauen auf Themen wie Kinder, Pflege oder Gesundheit zu reduzieren.
Es geht um demokratische Repräsentation: In politischen Entscheidungen sollten unterschiedliche Lebensrealitäten, Erfahrungen und Fachkenntnisse vorkommen.
Das Frauennetzwerk Wesermarsch hat vor kurzem zu Recht darauf hingewiesen, wie wichtig unterschiedliche Perspektiven etwa bei Fragen der regionalen Gesundheitsversorgung sind. Wenn über Themen beraten wird, die viele Frauen unmittelbar betreffen, sollte auch die entsprechende Expertise und Erfahrung in die politische Diskussion einfließen.
Die Antwort, die Fraktionen hätten ja einfach Frauen in den Ausschuss entsenden können, greift hier zu kurz:
Wenn insgesamt nur wenige Frauen in einem Rat vertreten sind, können diese nicht gleichzeitig überall mitarbeiten.
Die Lösung kann nicht darin bestehen, die wenigen Engagierten mit immer mehr Aufgaben zu belasten.
💜 Was wir ändern können
Wir brauchen mehr Frauen, die kandidieren können und wollen – und Listen, die ihnen echte Wahlchancen eröffnen.
Dafür braucht es:
- Bessere Rahmenbedingungen für kommunalpolitisches Ehrenamt.
- Eine bewusste Entscheidung bei der Aufstellung der Listen.
Politische Arbeit muss besser mit Familie und Beruf vereinbar sein. Sitzungszeiten, Betreuungsmöglichkeiten und der Umgang mit digitaler Gewalt sind keine Nebensachen. Sie entscheiden mit darüber, wer sich politische Verantwortung überhaupt zutraut.
Gleichzeitig können Parteien selbst unmittelbar etwas verändern: Sie können Frauen nicht nur gezielt ansprechen, ermutigen und auf ihre Listen setzen, sondern ihnen auch aussichtsreiche Plätze geben.
💜 Wir fangen bei uns an.
Für die anstehende Gemeinderatswahl haben wir unsere Listenplätze 1 bis 4 bewusst mit Frauen besetzt.
Damit schaffen wir von Anfang an reale Wahlchancen für Frauen – und damit die Voraussetzung für eine ausgewogenere Vertretung im Rat.
Gleichberechtigung entsteht nicht automatisch. Sie braucht Entscheidungen.
Schaut deshalb vor der Wahl nicht nur auf Namen und Parteiprogramme, sondern auch darauf, wer auf den Listen kandidiert – und wer dort tatsächlich eine realistische Chance auf einen Sitz hat.
So könnt ihr eure Stimmen gezielt und bewusst einsetzen.